
Mein Mann war es, der vor ein paar Tagen eine ganz besondere Todesanzeige in unserem Regionalblatt entdeckte. Ich hätte sie wahrscheinlich übersehen
Ole Noltemeyer war gestorben. Die Lebensdaten: 21. Januar 2015 – 4. Februar 2026.
11 Jahre also. Das Foto daneben macht gleich klar: Ole war kein Kind, sondern ein Schäferhund. Und mit 11 Jahren nicht mehr ganz so jung.
Svenja und Frank, die Hinterbliebenen, danken allen, die sie im Abschiednehmen begleitet haben „ Dass so viele Menschen gekommen sind, bedeutet uns mehr als Worte sagen können!“ Statt Blumen bitten sie um Spenden für zwei „Patenwölfe“ damit ein Stück von Ole weiterlebt. „Und mit jedem Atemzug und auch mit jedem Schritt gehst und lebst du immer noch ein bisschen mit uns mit“ , steht über Oles Namen. Ein Vers, der Svenja und Frank offenbar tröstet.
Dass Hunde nicht nur zur Familie gehören, sondern zum Teil der Familie werden, das beobachte ich schon länger. Auf Facebook beobachte ich, wie Hunde bekleidet und verköstigt werden – sie tragen Schlafanzüge und Weihnachtsmannkostüme und werden mit dem Löffel von einem Porzellanteller gefüttert. Die früher Herrchen und Frauchen hießen, nennen sich seit langem Mom and Dad. Zugegeben, Frauchen wollte ich auch nie sein, als wir zwei süße und widerspenstige Dackel hatten – aber Mom zu sein, das hätte mich irritiert. Hunde sind kein Ersatz für Kinder – sie sind etwas anderes, denke ich. Zugleich allerdings habe ich erlebt, wie Konfirmand:innen um ihre Hunde weinten – er war doch mein Bruder, sagte einer.
Was mir auch auffällt: das Gefühl für die begrenzte Lebenszeit der Tiere gewachsen – sie werden eben nicht so lange leben wie Kinder. Und immer abhängig von „ihren Menschen“ bleiben. Auch darüber, wie so ein Ole am Ende gut sterben kann , wird in den sozialen Medien nachgedacht. Und es ist gut, dass sie nicht mehr einfach nur abgegeben werden, sondern liebevoll begleitet, bis sie „über die Regenbogenbrücke“ gehen.
Die Geschichte von der Regenbogenbrücke legt nahe, dass es so etwas wie einen Hundehimmel gibt- oder ist es doch derselbe wie der der Menschen? Jedenfalls lese ich öfter, das beide- Hunde und ihre Menschen dort aufeinander warten. Es ist also nur konsequent , wenn mittlerweile Hunde mit auf den Gräbern ihrer Halter beerdigt werden. Schließlich gibt es seit langem Hundebestatter, die das letzte Ritual mitgestalten.
Haben Hunde ein Seele wie wir? Seit Jahren wird diese Frage von Theolog:innen diskutiert. Gottesdienste, zu denen auch Haustiere eingeladen sind, gibt es schon länger. Aber getauft werden Haustiere bislang nicht. Und bei ihrer Bestattung ist von Auferstehung keine Rede. Ich fürchte allerdings, den meisten Menschen fehlt das nicht. Die Zahl der christlichen Taufen und Bestattungen ist ja rückläufig – viele wünschen sich einfach ein schönes Ritual.
Mir fällt aber noch etwas anderes auf: Die Differenz zwischen Menschen und ihren Haustieren wird immer kleiner. Zugleich wächst die Differenz zwischen Haus- und Nutztieren. Während wir Retriever, Huskys und Dackel auf dem Schoss füttern, halten wir Schweine und Rinder in Massen, hoch funktional auf die Fleisch- oder Milchproduktion hin gezüchtet – die Freiheit, über eine Wiese zu tollen oder sich an den eigenen Jungen zu freuen, lernen nur wenige kennen. Woran entscheidet sich eigentlich, ob wir den Tieren eine Seele zubilligen? Es liegt anscheinend an uns. Die, denen wir unseren Namen geben, die zu uns gehören, die sollen mit uns ewig leben- die anderen sind einfach nur Lebensmittel-Maschinen. Wenn Biolog:innen mit Kamera unterwegs sind, um ganz andere Arten zu begleiten, verstehen wir schnell, wie sensibel und klug auch die so genannten Raubtiere sind.
Mir fällt da die ganz andere Sicht von Paulus ein. Der verschiebt den Referenzpunkt und sieht uns Menschen als Teil der Schöpfung Gottes. Dazu gehören auch die Nutztiere, die Beutegreifer und die Insekten- das ganze Ökosystem. Und dann lenkt er unseren Blick dahin, dass diese ganze Schöpfung leidet (Römerbrief 8, 21) – Arten verlieren ihren Lebensraum, afrikanische Wildtiere werden bei Jagdausflügen zum Abschuss freigegeben. Und alle, wir alle warten auf den Tag der Erlösung. Es geht eben nicht nur um uns und unsere Haustiere. Sondern um alle Leben auf diesem Planeten.
https://regenbogenbruecke-tierbestattung.de/
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