Rita Süßmuth

Seit Rita Süßmuth gestorben ist, sind auch die sozialen Medien überschwemmt mit Anerkennung, Nachrufen und persönlichem Dank aus fast allen politischen Lagern. Und aus vielen gesellschaftlichen Gruppen – von schwulen Männern, die an ihre Aids-Kampagne erinnern über den Zentralrat der Juden in Deutschland bis zu Politikerinnen fast aller Parteien, die sie als unermüdliche Kämpferin für Frauenrechte und Begründerin des Frauenministerium ehren. Ihr Motto:„ Wer keine Frauenquote will, muss die Frauen wollen“. Die BILD hat sie mit einem Augenzwinkern Kohls „Nervensäge“ genannt und Michael Roth knüpft daran an und hofft, dass sie auch den Himmel kräftig aufmischt. Sie sei eine späte Frauenrechtlerin gewesen, hieß es bei Arte; tatsächlich aber war sie für die deutsche Politik früh. Ich  bin leider nicht sicher, ob die, die jetzt anerkennend und bewundernd schreiben, eine so mutige Politik weiterführen werden. Aber „ diese Welt ist zu schön, um sie den Wahnsinnigen zu überlassen“.

Rita Süßmuth war in jeder Hinsicht unabhängig – vielleicht, weil sie wissenschaftlich gearbeitet hat, bevor sie in die Politik ging , vielleicht aber auch, weil sie von ihrem christlichen Glauben geprägt war. Sie wusste sich in Gott geborgen, auch wenn Sie sich gottverlassen fühlte, weil sie aneckte, gemobbt oder – wie bei der Dienstwagenaffäre – verleumdet wurde. Ich bewundere das nicht nur – es inspiriert mich auch. Dabei war der christliche Glaube für sie keine Privatsache, keine innerliche Angelegenheit. Sie war eine Netzwerkerin und suchte auch hier Bündnispartner: innen zum Beispiel im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken.

Die Bilder, die jetzt überall gedruckt und gepostet werden, zeigen sie in allen Lebensaltern – oft aber auch so, wie sie zuletzt war: eine hochengagierte alte Frau, eine starke Persönlichkeit. Ich wünsche mir, dass auch das noch unsere Gesellschaft und die Politik beeinflusst und dass wir in Zukunft öfter solche Bilder sehen. Bilder von den vielen engagierten Älteren, die noch immer viel zu oft unsichtbar bleiben. Das würde ihr sicher gefallen.


Rita Süssmuth

Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen

Ein Brief an die Enkel

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