Am Strand und im Land

Was für eine Woche! Ich hätte jeden Tag einen wütenden Post schreiben können – von Wolfgang Weimers Förderpolitik im Buchhandel bis zu seiner Forderung, die Mitglieder der Kuratorien zu melden, von Karin Priems Kritik an den geförderten Organisationen im Bundesförderprogramm „Demokratie leben“ (passt strategisch gut mit Weimers Aktionen zusammen) bis zu den Forderungen nach der Verbesserung der Gesetzeslage gegen digitale Gewalt in Deutschland wie in Europa. Bei allem Ärger über die schrecklichen Erfahrungen, die Collien Fernandes mit den sexualisierten Deep Fakes angetan wurden, habe ich mich gefreut über den offenen Brief, den 250 prominente Frauen unterzeichnet haben. Ich finde es großartig, dass so viele Frauen inzwischen auch öffentlich über ihre persönlichen Erfahrungen mit diesen Demütigungen schreiben und sprechen. Ein bisschen wie bei der „Stern“-Kampagne „Ich habe abgetrieben“ von 1971, an der damals 374 Frauen teilgenommen haben. Hier wie da ein klares Einstehen für die Selbstbestimmung von Frauen – gegen jede Einmischung, jeden Übergriff. So kann eine Entwicklung in Gang kommen.
Was für eine Woche! Bilder, Artikel und Bundestagsreden über Themen, die mir wichtig sind. Wohin geht da die Reise? Wird es gelingen, Frauen besser zu schützen, wird die Scham die Seite wechseln? Und was wird aus unserer bunten und demokratischen Zivilgesellschaft? Was wird aus der Subsidiarität und dem Respekt vor der Sachlichkeit? Ich habe große Sorge, dass auch hier die Übergriffe, die Einmischung des Staates zunehmen. Was können wir tun, um Freiheit und Selbstbestimmung zu retten? Und gerade so auch strukturell und geopolitisch ein souveränes Land zu bleiben?
Schaffen wir es, die Freiheit zu bewahren und uns heraus zu retten aus der Gefahr der Vereinfachung und der Arroganz anderen, meist Schwächeren gegenüber? Können wir uns heraus retten aus der Ohnmacht, in der wir feststecken?
In dieser Woche ging aber noch etwas anderes mit: das laute Brummen des jungen Buckelwals, der an der Küste in Niendorf auf einer Sandbank feststeckte und nach seiner Mutter rief. Ein paar hundert Meter weit sollen diese Schreie zu hören gewesen sein, habe ich gelesen. Ich konnte mir das ganz plastisch vorstellen, denn wir waren in den letzten Jahren öfter in einer Ferienwohnung in Niendorf. Ich glaube, wir hätten keine Ruhe gefunden, bis der Wal gerettet wurde.
Es scheint, dass er tatsächlich gerettet werden konnte.Mit großem Einsatz von Helfern am Strand, mit Schiffen und Fachleuten gelang es jedenfalls, ihm einen Weg ins offene Meer zu graben. Ich war so froh, dass der Wal trotz aller Nervosität, trotz seines flachen Atems durchhielt. Bin aber bis nun doch nicht sicher, ob die Rettungsaktion am Ende erfolgreich war und der Wal sich tatsächlich freischwimmen konnte. Es gibt jetzt Berichte, er sei zurück gekehrt an den Strand – vielleicht, um dort Schutz und Sicherheit zu suchen.
Eine konzertierte Rettungsaktion für unser Land – wie könnte die aussehen? Die vielen Engagierten sind ja da und ich kann nur hoffen, dass sie durch die letzten Aktionen der Politik nicht das Vertrauen verloren haben. Und auch die großen Schiffe sind da, wir haben Institutionen – aber sind sie auch zeitgemäß und lebendig und können sie Hoffnung geben? Manchmal und gerade jetzt braucht es Hilfeschreie, damit wir uns auf den Weg machen. Und uns freischwimmen. Am Strand, im Wasser und im Land.
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