
Museumsbesuch in Rolandseck
Günther Ueckers Nagelbilder kennen viele. Ein Stuhl, auf den sich keiner setzen kann. Ein Bett, aus dem alle sofort wieder aufstehen wollen, und das silberne Klavier, das mit glänzenden Nägeln gespickt ist. Mich erinnert das an den zerstörten Flügel meiner damals jungen Mutter am Ende des zweiten Weltkriegs, als das Haus besetzt worden war.
Am Wochenende haben wir das Arp-Museum in dem alten Bahnhof Rolandseck am Rhein besucht. Wer das nicht kennt: Schon die Anlage ist großartig ! Der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Bahnhof der Köln-Bonner Eisenbahn war schon Ende des Jahrhunderts ein Treffpunkt zum Feiern und der große Festsaal auf der zweiten Galerie lädt noch heute zu einer zauberhaften Teestunde ein.In diesen Wochen war dort neben der Ausstellung zu Hans Arp und Sophie Taeubner-Arp auch eine Uecker-Ausstellung zu sehen. Beide passen perfekt in diesen Kunst-Bahnhof – denn sie erzählen aus der Zeit, als Johannes Wasmuth den Bahnhof zu einem Künstlerhaus machte. Mit Kulturschaffenden aus der Dada –Bewegung und der Gruppe Zero. Aus diesem Künstlerhaus wurde dann später der Kunstbahnhof und schließlich das angebaute Museum.
Gleich am Beginn der Uecker-Ausstellung kann man selbst erleben, was Uecker empfunden haben muss, als er Nägel in Tische, Stühle, Klaviere schlug. Große, schwarze Zimmermannsnägel in einen Baumstamm treiben. Dann ist eine Installation mit Riesennägeln zu entdecken, die – auf Sandsäcken drapiert – aussieht wie Kriegsgerät. „Barrikade“. So geht es weiter, bis gegen Ende der Ausstellung ganz andere Werke zu entdecken sind. Die Bildtitel erzählen vom Verbinden. Neben den Nägeln kommen hier Verbände zum Einsatz und schlingen sich um Stühle und Matratzen. Da wird der Titel der Ausstellung lebendig:Es geht um die Verletzlichkeit der Welt, in die so viele Wunden geschlagen sind. Der Welt, die soviel Schmerzen leidet unter den Kriegen, den Nägeln, den Waffen. Die braucht Menschen, die Kampf und Widerstand kennen , die schon Schmerzen gespürt haben und sich gerade deshalb erbarmen und die Wunden verbinden.
„Da muss ein Nagel eingeschlagen werden , damit da Widerstand erzeugt wird, sodass Kunst eindringen kann in die Banalität von Leben.“ ( Günther Uecker)
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Die Verletzlichkeit der Welt
Museumsbesuch in Rolandseck Günther Ueckers Nagelbilder kennen viele. Ein Stuhl, auf den sich keiner setzen…
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Ein sehr berührender Text. Die Verbindung zwischen Kunst, Erinnerung und der heutigen Weltlage ist eindrücklich beschrieben. Besonders das Bild der Nägel – als Zeichen von Verletzung, aber auch als Auslöser von Widerstand und Veränderung – bleibt hängen. Es macht nachdenklich, wie viel Schmerz in der Welt ist und gleichzeitig, wie wichtig Menschen sind, die nicht abstumpfen, sondern verbinden und heilen. Danke für diesen stillen, aber kraftvollen Impuls.